Typ 2: Helfer, Geber, Fürsorger

Menschen vom Typ 2 wollen gebraucht werden. Aus diesem Streben resultiert die Fähigkeit, sich ganz auf die Bedürfnisse anderer Menschen einstellen zu können. Persönlichkeiten mit diesem Muster sind deshalb Beziehungsmenschen. Sie verfügen über einen großen Freundes- und Bekanntenkreis. Für die Sorgen und Nöte der anderen haben sie stets ein offenes Ohr. In ihren Beziehungen verhalten sie sich besonders emotional, weil es ihnen in erster Linie darum geht, geliebt zu werden.

Dieses unbedingte Streben nach Anerkennung, die ZWEIer besonders in der Dankbarkeit ihrer Mitmenschen erleben, führt leicht zu einem aufdringlichen Buhlen. Dann tritt zu Tage, dass ZWEIer alle ihre Anstrengungen für die anderen insgeheim nur um der gezeigten Dankbarkeit willen unternommen haben. Spüren sie gar das Gegenteil, Distanznahme oder Kritik, reagieren sie gekränkt und mit demonstrativem Liebesentzug. Sie unternehmen alles, um die Abhängigkeit der mit Liebeserweisen Überschütteten wieder herzustellen.

Dass ausgerechnet der Stolz die treibende Leidenschaft solcher Menschen sein soll, die ganz in der Sorge um die anderen aufgehen, erscheint nur auf den ersten Blick unglaubhaft. Achtet man darauf, dass es der ZWEI in alle ihren Beziehungen darauf ankommt, gebraucht zu werden, also wichtig und bedeutend zu sein, dann wird der Stolz als Antriebsenergie durchaus plausibel. Das Dilemma des ZWEIers besteht darin, dass er in der Zuwendung zum Mitmenschen sein Ego gerade immer weiter aufbläst. Die eigene Hilfsbedürftigkeit wird dadurch systematisch verstellt. Stets findet sich jemand, der Hilfe dringend nötig hat.

Damit der Stolz auf die eigenen großartigen Liebeserweise nicht durch die Erkenntnis der eigenen Bedürftigkeit Schaden nimmt, prägen ZWEIer den Abwehrmechanismus der Verdrängung aus. Sie sind Meister darin, die Bedürfnisse anderer wahrzunehmen und zu bedienen und die eignen in vollständige Vergessenheit geraten zu lassen. Vielleicht ist das der Grund, weshalb sich in der Gruppe der ZWEIer häufig eine Suchtgefährdung findet. Die »Belohnung« mit Süßigkeiten, Shoppen oder Sex verdrängt die ausfallende Befriedigung der eigenen Bedürfnisse.

Aus dieser Fixierung auf die Dankbarkeit der anderen können sich ZWEIer dann befreien, wenn sie die eigene Hilfsbedürftigkeit erkennen und den Stolz darauf, dass andere auf sie angewiesen und ihnen dankbar sind, fahren lassen. Heilsam für sie ist, wenn sie Demut lernen können, wenn sie aus der Rolle des souveränen Helfers für abhängige Bedürftige aussteigen können.

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