Typ 1: Reformer, Perfektionist, Kritiker

Menschen vom Typ 1 streben nach Vollkommenheit, sie wollen alles richtig machen: ein Ideal, das nicht erreichbar ist. Sie zeichnen sich aus durch Objektivität, Integrität und Gerechtigkeitssinn. Ihr unbestechliches Gefühl für Wahrheit und Gerechtigkeit verleiht ihnen ein starkes moralisches Rückgrat. Für ihre Überzeugungen sind sie bereit durchs Feuer zu gehen. Aus Angst, Fehler zu machen, sind Menschen dieses Typs darauf bedacht, möglichst überlegt und vernünftig zu reagieren. Spontaneität zählt deswegen nicht zu ihren Stärken.

Dieses unbedingte Streben nach Perfektion wächst sich bei EINSern leicht zu Kritiksucht, Nörgelei und Selbstgerechtigkeit aus. Bei ihnen findet sich häufig eine ins Pedantische gehende Ordnungsliebe. Gerade die Angst vor der eigenen Unvollkommenheit kann EINSer zu gnadenlosen Richtern fremder Fehler und Mängel machen. Bei ihren Mitmenschen verbreiten sie oft das Gefühl, den heheren moralischen Ansprüchen nicht genügen zu können.

Obwohl EINSer einen kontrollierten und disziplinierten Eindruck machen, ist die vornehmliche Leidenschaft, die sie antreibt, der Zorn. Ihr Zorn richtet sich auf jede Art von Unvollkommenheit, die auf der Negativfolie ihrer überhöhten Ideale überall zu entdecken ist. Diese Leidenschaft, die den EINSern in ihren Kämpfen um Weltverbesserung ihre Energie verleiht, treibt sie auch in ein Dilemma. Denn Zorn ist selbst eine Unvollkommenheit, die unter dem Anspruch absoluter Perfektion nicht sein darf. Es stellt sich die Frage: Wohin mit dem Zorn? Wohin fliehen vor dem eigenen kritischen Blick?

Der Abwehrmechanismus, den EINSer ausprägen, um sich diese unerwünschten Gefühlsaufwallungen vom Leibe zu halten, ist Reaktionskontrolle. Damit ist gemeint, dass EINSer sich einer ständigen Selbstkontrolle aussetzen. Sie installieren einen mächtigen inneren Zensor, der in Sekundenbruchteilen entscheidet, welche die richtige und welche die falsche Regung ist. Ein häufig beschrittener Weg, den Zorn in kontrollierte Bahnen zu lenken, ist die Arbeitswut. Ständig gilt es, irgendwelchen Pflichten nachzukommen, sodass das sprichwörtliche nachfolgende Vergnügen sich selten einstellt.

Aus dem Teufelskreis, dem Zorn mit dem Furor der Selbstkontrolle beizukommen, kann sich ein EINSer nur befreien, wenn er seinen Zorn annehmen kann und erkennt, dass es nicht nur den einen richtigen Weg gibt. Er muss lernen, Pflicht, Ordnung und die Verbesserung der Welt auch mal links liegen zu lassen, zu spielen, zu feiern und das Leben zu genießen. Ihm tut die Einsicht gut, dass nicht alles durch aktiven Einsatz zu beherrschen ist. In der Begegnung mit dem kreatürlichen Wachstum der Natur können EINSer erfahren, dass Dinge gedeihen, auch ohne dass ständig kontrollierend eingegriffen wird.

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